Geschichte
Gründung 1903
Der Landesverband der katholischen bürgerlichen Vereine Bayerns wurde 1903 gegründet, um der christlichen Sache im Allgemeinen zu dienen und im Besonderen die Interessen des katholischen Bürgertums zu fördern, sowie dessen Einfluss im öffentlichen Leben zu stärken. In erster Linie soll durch ihn das katholische Vereinsleben gehoben werden durch Organisation von Vorträgen und gegenseitiger Annäherung der Verbandsvereine auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Zum Besten der einzelnen Mitglieder fasst der Verband die Gründung von gemeinschaftlichen Wohlfahrtseinrichtungen ins Auge und ist bestrebt, denselben auch wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Bei der Gründungsversammlung am 25.10.1903 waren die Delegierten von 56 katholischen bürgerlichen Vereinen anwesend. Der Beitrag wurde festgesetzt, jeder angehörige Verein musste dem Verband aus seiner Kasse einen jährlichen Beitrag von mindestens fünf Pfennigen pro Vereinsmitglied bezahlen. In den ersten Jahren seines Bestehens nahm der Landesverband auch bereits zu einigen aktuellen politischen Themen Stellung. Die katholischen Männervereine nannten sich ursprünglich Patriotenvereine. Diese Bezeichnung war Ausdruck und Zeichen des erwachenden politischen Katholizismus. Hier lag die erste Keimzelle für den Zusammenschluss der bayrischen Parlamentarier. Sie waren Impulsgeber, Träger und Veranstalter der großen öffentlichen katholischen Protestkundgebung gegen den kirchenfeindlichen bayrischen Kulturkampfminister.
In dieser Zeit wurde Altötting zum Hort der ersten Männerwallfahrten. Auf der Landeskonferenz und Generalversammlung anlässlich des Katholikentages in München konnte am 27.10.1919 berichtet werden, dass dem Landesverband 100 Vereine mit 20000 Mitgliedern angehörten. Im Jahr 1930 war der Mitgliederstand auf 22000 gestiegen.
Während des Nationalsozialismus
Während Deutschland sich auf die Katastrophe des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs zubewegte, erstarkte die katholische Männerbewegung weiter. Aus einem Beitrag der „Katholischen Männerwelt" heißt es: "Wohl sind heute die Zeiten andere geworden, wohl sind mancher Entfaltung katholischen Lebens beengende Fesseln gefallen, wohl haben sich die Katholiken im Lichte der Sonne erkämpft, wohl wertet man heute katholischen Opfergeist und katholisches Verantwortungsgefühl, die sich niemals dem Dienste für die Rechte der Kirche, aber auch niemals dem Dienste für den Aufbau des Staates und die Gesundung des Volkes entzogen, als besonders verwendungsfähige Stützen für das wankende Staatsgefüge.
Der Landesverband hatte 1931 eine Stärkung zu registrieren, 125 Vereine mit 25000 Mitgliedern gehörten ihm jetzt an. Immer wieder erfolgte in jenen Jahren eine Besinnung auf die aktuellen Aufgaben der Männervereine; gleichzeitig wurde wiederholt betont, dass ihre Existenz auch und gerade in der Auseinandersetzung mit den geistigen und politischen Strömungen der damaligen Zeit notwendig seien. In einem Rundschreiben vom August 1933 an die Verbandsvereine heißt es: „Laut Mitteilung der Politischen Partei besteht ein Versammlungsverbot für unsere Vereine".
Nach dem 2. Weltkrieg
Ein erster Versuch, die Verbandsarbeit nach dem Krieg wieder aufzunehmen, wurde am 23.02.1946 unternommen. Am 07.07.1946 fand auch die erste Altötting- Wallfahrt der katholischen Männer Bayerns nach dem Krieg statt, an der sich 900Pilger beteiligten.
In den folgenden Jahren befassten sich Vorstand und Delegierte häufig mit Stellung und Aufgaben des katholischen Mannes in Gesellschaft und Kirche. Zu Beginn des Jahres 1976 hatte der Landesverband 61 Mitgliedsvereine mit rund 4060 Mitgliedern.
Seligsprechung des Jesuitenpaters Rupert Mayer
Ein religiöser Höhepunkt war die Seligsprechung des Jesuitenpaters Rupert Mayer, des Männerapostels von München, am 03.05.1987. Pater Rupert Mayer bewegte die Männer zu einer gänzlichen Identifizierung mit ihrer Kirche. Der Zusammenhalt im Verein ermöglichte eine starke Einwirkung in die sozialen und politischen Geschehnisse auf dem Fundament der kirchlichen Tradition. Die Männerseelsorge unterstützte den Mann, der in seinem Beruf steht und das öffentliche Leben gestaltet. Die klassische Standesseelsorge war der Halt und eine große Hilfe für die Männer.
Das klassische Männerbild zerbricht
Die letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts haben gesellschaftliche Veränderungen mit sich gebracht, sodass dieses klassische Männerbild zerbrochen ist und sich somit neue Herausforderungen und Aufgaben stellen. Männerexerzitien und Besinnungstage werden sicher in Zukunft ihren Platz in der Männerseelsorge haben. Klar ist aber auch, dass viele, vor allem kirchlich gebundene junge Männer, sich von diesen Formen kaum noch angesprochen fühlen.
In dieser Umbruchszeit ist unser Landesverband gefordert, entsprechende Gesprächs und Erfahrungsräume anzubieten und Männer bei ihrer Suche nach einem gelingenden Leben zu unterstützen; mit Männern eine zeitgemäße männliche Spiritualität zu leben; Männer zu einem partnerschaftlichen Lebensstil zu befähigen. Für allein lebende und alleinerziehende Männer sorgen; bei der Veränderung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen mitzuwirken; Männer auch in Krisen- und Umbruchsituationen nicht allein zu lassen.
100 Jahre und weiter
Im Jahre 2003 feierte der Landesverband der Katholischen Männergemeinschaften 100jähriges Gründungsjubiläum. Die Beständigkeit der Männervereine ist Fundament für ihr Leben. In dieser organisierten Form der Männerarbeit hat Männerseelsorge einen guten Ansatz und kann im gesellschaftlichen Wandel unserer Zeit das geänderte Rollenbild des Mannes zur Sprache bringen. Der Wandel heute kann zerstörerisch wirken ´. Wenn sich Männer in ihren Vereinen und in der Männerseelsorge gemeinsam dieser Aufgabe stellen, kann der gesellschaftliche Wandel auch eine Chance sein, das Männer mehr zu sich und zu Gott finden. Im Jahr 2013 hat der Landesverband der Katholischen Männergemeinschaften 47 Vereine mit knapp 4400 Mitgliedern.